Emotionale Intelligenz

Der Begriff - oder das Schlagwort - “emotionale Intelligenz” entstand zu Beginn der 1990er Jahre. Einerseits zeigte sich darin die Unzufriedenheit mit bisherigen Konzepten von Intelligenz, die in großer Einseitigkeit auf analytische Fähigkeiten und logisches Denken fokussiert waren. Zum anderen kann man darin, aus Perspektive der Kulturwissenschaft, einen fundamental neuen Ansatz erkennen, der bisher in den westlichen oder westlich orientierten Gesellschaften ignoriert oder unterdrückt wurde.
Derartige neue Sichtweisen entspringen nicht “einfach so”, dem kreativen Geist eines Psychologen oder Autors. Sie sind vielmehr Ausdruck langdauernder Entwicklungen, die lange Jahre unausgesprochen und unformuliert reifen, bis sie in das allgemeine Bewusstsein rücken. Insofern kann man die Konzeption einer emotionalen Intelligenz als Ausdruck eines gesellschaftlichen Paradigmenwechsels interpretieren, der auf vielen Ebenen seinen Ausdruck gefunden hat. Die Grundtendenz ist dabei, die rationale und mechanistische Sichtweise der Welt und des Menschen durch eine ganzheitlich orientierte, im tiefsten Sinne humane Betrachtungsweise zu ersetzen.

Emotionale Intelligenz lässt sich prinzipiell in die beiden Bereiche des Umgangs mit sich selbst und des Umgangs mit anderen trennen. Wobei “Umgang” in jedem Fall die Erkenntnis und die Nutzung des Potenzials bedeutet.

Der Begriff der emotionalen Intelligenz ist in der Literatur nicht eindeutig definiert. Die Tatsache, dass Tests, ähnlich den IQ-Tests, auch für diesen Bereich vorliegen, wirft ein Licht auf die Problematik: Wie sollen nach standardisierten Verfahren jene Werte und Fähigkeiten überprüft und bewertet werden, die als Ergänzung oder eher als Überwindung solcher Meßverfahren anzusehen sind?

Emotionale Intelligenz bedeutet das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen und deren Einsatz zum Erreichen der selbstgesteckten Ziele. Bezogen auf andere Menschen umfasst der Begriff die Fähigkeit zur Kommunikation, zum Anknüpfen und zum Erhalten von Beziehungen und die Fähigkeit zur Empathie, also zum Einfühlen in die Stimmungslage des Gegenübers. Emotionen sollen erkannt und genutzt werden, sollen von Störfaktoren oder Nebenprodukten zu planvoll und kreativ genutzten Triebkräften für den persönlichen Erfolg gemacht werden.

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